Schufa und Umzug: Was eine neue Adresse mit Ihrem Score macht und was nicht
Seit dem 17. März 2026 rechnet die Schufa anders. Der neue Score läuft von 100 bis 999 Punkten und setzt sich aus zwölf öffentlich genannten Kriterien zusammen. Eines davon hat direkt mit dem Wohnen zu tun: das Alter der aktuellen Adresse. Seitdem kursieren wieder viele Halbwahrheiten, ob man vor einem Kredit lieber nicht umziehen sollte oder ob die Schufa die neue Adresse vom Amt bekommt. Wir gehen die häufigsten Annahmen einmal der Reihe nach durch.
„Ein Umzug ruiniert meinen Score.“
Stimmt so nicht. Richtig ist: Das Kriterium „Alter der aktuellen Adresse“ fängt nach einem Umzug wieder bei null an. In den ersten Monaten an der neuen Adresse gibt es dafür keine Punkte, danach steigt der Wert langsam mit der Wohndauer. Die volle Punktzahl in diesem Bereich liegt bei 94 Punkten und wird erst nach vielen Jahren an derselben Adresse erreicht. Das klingt erstmal viel, muss man aber einordnen. Die anderen elf Kriterien bleiben vom Umzug unberührt, also etwa Zahlungsstörungen, das Alter Ihres ältesten Bankkontos oder Ihre laufenden Kredite. Wer keine offenen Forderungen hat und seine Rechnungen zahlt, rutscht durch einen einzelnen Umzug nicht plötzlich in eine schlechte Score-Klasse. Ein notwendiger Umzug sollte deshalb nie wegen der Schufa verschoben werden.„Die Schufa erfährt meine neue Adresse vom Einwohnermeldeamt.“
Nein. Die Schufa ist keine Behörde und bekommt keine Daten aus dem Melderegister. Sie erfährt Ihre neue Adresse über ihre Vertragspartner, also vor allem über Banken, Sparkassen, Telekommunikationsanbieter oder Versandhändler. Sobald Sie dort die Adresse ändern, wird sie in der Regel an die Schufa übermittelt. Das hat eine praktische Folge: Wer seine Adresse bei der Bank nicht ändert, hat bei der Schufa womöglich noch lange die alte Adresse stehen. Das ist kein Drama, kann aber zu Rückfragen führen, wenn Sie etwa einen neuen Handyvertrag abschließen und die Daten nicht zusammenpassen.„Ich muss der Schufa meinen Umzug melden.“
Müssen Sie nicht. Es gibt keine Meldepflicht gegenüber Auskunfteien. Sinnvoll ist es trotzdem, ein paar Wochen nach dem Umzug einmal nachzusehen, ob alles korrekt hinterlegt ist. Jeder hat das Recht auf eine kostenlose Datenkopie nach Artikel 15 DSGVO. Darin sehen Sie, welche Adressen gespeichert sind und ob irgendwo ein Fehler steckt. Falsche Einträge können Sie korrigieren lassen.„Häufig umziehen ist egal, solange ich pünktlich zahle.“
Teilweise. Pünktliches Zahlen ist und bleibt das mit Abstand wichtigste Kriterium. Aber wer jedes Jahr umzieht, startet beim Adressalter eben jedes Jahr wieder von vorne und verschenkt dort dauerhaft Punkte. Für die meisten Menschen spielt das im Alltag garnicht so eine große Rolle. Wer aber in absehbarer Zeit eine größere Finanzierung plant, sollte das zumindest im Hinterkopf haben.„Die neue Wohngegend beeinflusst meinen Score.“
Im neuen Schufa-Score gehört die Wohngegend nicht zu den zwölf veröffentlichten Kriterien. Ob Sie in die Dachauer Altstadt, nach Karlsfeld oder nach Starnberg ziehen, ändert an der Punktzahl nichts. Was zählt, ist allein, wie lange Sie an der aktuellen Adresse wohnen.„Für die neue Wohnung brauche ich die teure Schufa-Auskunft.“
Viele Vermieter verlangen bei der Bewerbung einen Bonitätsnachweis. Dafür bietet die Schufa kostenpflichtige Auskünfte an, die speziell für Vermieter gedacht sind und nur die nötigen Informationen enthalten. Die kostenlose Datenkopie nach DSGVO ist dafür eher ungeeignet, weil sie viel mehr über Sie verrät, als einen Vermieter etwas angeht. Ein Tipp aus der Praxis: Fragen Sie den Vermieter, was genau er sehen möchte. Oft reicht schon eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung des bisherigen Vermieters plus Gehaltsnachweise.Wann der Zeitpunkt doch eine Rolle spielen kann
Ganz ohne Bedeutung ist das Timing nicht. Wer kurz nach dem Umzug einen Ratenkredit für die neue Küche oder neue Möbel beantragen will, hat in diesem Moment beim Adressalter keine Punkte. Ob das am Ende den Ausschlag gibt, hängt vom Gesamtbild ab. Bei einer soliden Bonität meistens nicht. Planen Sie aber ohnehin gerade mehrere Dinge auf einmal, etwa neue Kreditkarte, neues Konto und Ratenkauf, dann summieren sich die Effekte. Denn auch Anfragen für Konten und Kreditkarten in den letzten zwölf Monaten fließen in den Score ein. Unsere ehrliche Empfehlung: Nicht alles in denselben Monat legen. Erst umziehen, dann in Ruhe ankommen, dann die großen Anschaffungen.Was Sie nach dem Umzug konkret tun sollten
- Adresse bei Bank, Kreditkarte, Handy- und Internetanbieter ändern
- Nach etwa sechs bis acht Wochen eine Datenkopie anfordern und die gespeicherte Adresse prüfen
- Größere Kredite und neue Konten nicht alle direkt nach dem Umzug beantragen
- Alte Rechnungen aus der bisherigen Wohnung im Blick behalten, etwa die letzte Strom- oder Nebenkostenabrechnung